Typografie, Fotoplakat und «Swiss Style»

Die Buchdruckerkunst und später die Lithografie bildeten die Basis für die «funktionale» Typografie am Ende der 1920er Jahre.

Beeinflusst von den neuen Tendenzen waren die «Neue Typografie» Deutschlands und die ersten Schriftplakate des Malers Max Bill mit seinem Bekenntnis zur konsequent eingesetzten Kleinschreibung in all seinen Plakaten.

Eric de Coulon schuf bereits in den 1920er Jahren erste eigenständige Schriftplakate für Pariser Unternehmen. In fast allen seinen Plakaten ist die Typografie integrales Element der stilisierten Darstellung.

Die Schweizer Plakatgestalter wurden in ihrem Schaffen einerseits geprägt vom Bauhaus-Stil der 1920er Jahre, anderseits stark durch die russische Plakatgestaltung. Die russische Ausstellung 1929 im Kunstgewerbemuseum Zürich mit dem berühmten Ausstellungsplakat von El Lissitzky war für viele Schweizer Grafiker wegweisend.

Zu den Höhepunkten der Schweizer Fotoplakate gehören die farbigen Fotoplakate von Walter Herdeg um 1935 für St. Moritz und die weltberühmten Fotomontagen von Herbert Matter.

Kunstgewerbemuseum Zürich - um 1930 in Zürich, Max Bill, 1977
Max Bill: Kunstgewerbemuseum Zürich – um 1930 in Zürich, 1977. Bild: Artifiche AG.
Tissot, Eric de Coulon, 1935
Eric de Coulon: Tissot antimagnétique, 1935. Bild: Artifiche AG.
Kunstgewerbemuseum Zürich - Russische Ausstellung, El Lissitzky:,1929
El Lissitzky: Kunstgewerbemuseum Zürich - Russische Ausstellung, 1929. Bild: Plakatsammlung Basel via Wikimedia Commons.
St. Moriz, Walter Hardeg, 1937
Walter Herdeg: St. Moritz, 1937. Bild: Artifiche AG.
Engelberg, Herbert Matter, 1936
Herbert Matter: Engelberg, 1936. Bild: Artifiche AG. Matter gestaltete zwischen 1934 und 1936 ca. zehn einzigartige Fotomontage-Plakate; danach zog er in die Vereinigten Staaten, wo sein internationaler Ruhm begründet wurde.

Der typografisch strenge Gestaltungsstil der 1950er und 1960er Jahre avancierte zum führenden Grafikdesign-Stil der Nachkriegszeit.

Der sogenannte internationale Stil oder «Swiss Style» nutzte das typografische Raster und serifenfreie Schriften, verzichtete auf Illustrationen und setzte Farbe sparsam ein; die Plakate wirken sehr präzise und strukturiert. Bewusst gestaltete Formen, Flächen und Linien wurden gesetzmässig aufgebaut und verhalfen der Schweizer Gebrauchsgrafik zu Weltruf.

Die Vertreter des internationalen Stils, die die Schweizer Grafik nachhaltig stimuliert und geprägt haben, waren u.a. Armin Hofmann, Josef Müller-Brockmann, Richard Paul Lohse, Max Bill, Carlo Vivarelli und Hans Neuburg.

Kunsthalle Basel 1955 Henry Moore Oskar Schlemmer, Armin Hofmann, 1955
Armin Hofmann: Kunsthalle Basel – Henry Moore – Oskar Schlemmer, 1955. Bild: Artifiche AG.
Tonhalle-Gesellschaft Zürich, Josef Müller-Brockmann, 1964
Josef Müller-Brockmann: Tonhalle-Gesellschaft Zürich, 1964. Bild: Artifiche AG. Die typografisch stilreinen Plakate von Josef Müller-Brockmann zeugen von seiner engen Beziehung zur konstruktiven Kunst der «Zürcher Konkreten», die sich in allen seinen grafischen Arbeiten zeigte. Seine typografisch perfekten Konzertplakate mit klarer, logischer und gleichzeitig ästhetischer Bild- und Textanordnung sind eine Meisterleistung der Schweizer Plakatkunst.
Kunstgewerbemuseum Forme Nuove in Italia, Carlos Vivarelli, 1954
Carlo Vivarelli: Forme nuove in Italia, 1954. Bild: Artifiche AG.
Zürcher Künstler in der Kunsthalle Basel, Hans Neuburg, 1966
Hans Neuburg: Zürcher Künstler in der Kunsthalle Basel, 1966. Bild: Artifiche AG.

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