Pioniere des Schweizer Plakates

Die Blütezeit des Schweizer Künstlerplakates

Bis 1920 hatten sich die Künstler auf allen Gebieten der Plakatwerbung hervorgetan, unter ihnen einflussreiche Landschaftsplakatmaler wie Emil Cardinaux, Karl Bickel, Wilhelm Friedrich Burger, Ernst Schlatter oder Otto Baumberger. Die Ausdruckskraft des Plakatbildes wurde beeinflusst von der Lithographie als geeignete Druckform für Gestaltung, Inhalt und Brillanz.

Die Plakatgestalter wurden unterstützt vom Engagement einiger Lithografischen Druckereibetrieben. An der Qualität und am Erfolg des Schweizer Plakates der Frühzeit war die Druckerei Wolfensberger in Zürich – der auch der Kunstsalon Wolfsberg angehörte – massgeblich beteiligt.

Rollschuhbahn im Tonhallepavillon Zürich - Burkhard Mangold

Der eigenwillige Pionier Burkhard Mangold gestaltete bis 1910 über 40 malerisch feinfühlige Plakate mit einer vom Impressionismus beeinflussten differenzierten Tonigkeit „farbiger Flecken“. Seine Bildausschnitte erinnern an Degas. Mangold sprach 1920, als er gerade sein 100. Plakat herausgebracht hatte, von der Abnützung durch das Plakatschaffen, das nicht Qualität der Arbeit, sondern nur neue Einfälle verlange.

Hardmeier legt mit seinem Plakat für die Waschanstalt Zürich ein frühes Modell der vermenschlichten Tierfigur und machte damit Schule. Otto Baumberger war der geniale, unübertroffene Meister der grossen, oft monumentalen Bildssprache mit minimalen illustrativen und farblichen Mitteln, die in vielen seiner zahlreichen Plakatsujet zu erkennen ist.

PKZ - Niklaus Stoecklin

Diese erste Phase des Schweizer Künstlerplakats endete jedoch mit dem Zweifel, ob die Plakatgestaltung wirklich Aufgabe der Künstler sein könne. An den umfangreichen Plakatentwürfen von Burkhard Mangold, Emil Cardinaux oder Otto Baumberger lässt sich tatsächlich erkennen, dass die Erfindung immer neuer Plakatsujets die Ausbildung und Entwicklung eines persönlichen Stils nicht förderte, sondern nur die routinierte Kombination von Gestaltungsmitteln und Motiven.

Im Laufe der zwanziger und dreissiger Jahre ging daher die Plakatgestaltung immer konsequenter auf die Grafiker über. Es gibt in diesen Jahrzehnten jedoch noch keine scharfe Grenze zwischen dem Künstler- und dem Graphikerplakat. Die Graphiker hatten allenfalls eine bessere Kenntnis der Typographie und suchten schon gegen Ende der zwanziger Jahre die Verbindung mit der Photographie; aber auch sie verstanden die Gestaltung von Plakaten im wesentlichen als künstlerische Aufgabe. Die direkte Werbung durch unmittelbare Abbildung der Ware dagegen ist die Erfindung eines Malers, nämlich die Otto Baumbergers. Mit seinem Mantel für PKZ entwarf er 1923 das vielleicht eindrücklichste Sachplakat seither.

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