Das Sachplakat, Warenwerbung und Tourismusplakat

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Sachplakat zum führenden Werbestil.

Es zeichnet sich durch eine einfache, sachbezogene Gestaltung und klare Typografie aus und wurde mit viel Leidenschaft vor allem von den Grafikern der Basler Schule Niklaus Stoecklin, Karl Birkhäuser, Herbert Leupin, Fritz Bühler und Donald Brun umgesetzt, aber auch von anderen wie Hans Aeschbach in Zürich oder dem St. Galler Herbert Libiszewski.

Eine sachlich-gegenständliche Gestaltung gespickt mit einfacher Bilderzählung, oft humorvollen Inhalten, einprägsamen Figurensigneten und farbigen Farbkontrasten prägt ihre Plakatgestaltung.

Ende der 1930er Jahre, anfangs der 1940er Jahre belebten nebst den Grafikern aber auch wieder einige einflussreiche Schweizer Maler wie Pierre Gauchat, Pierre Monnerat und vor allem Alois Carigiet, Hans Erni und Hans Falk mit ihren Plakaten erfolgreich die «Galerie der Strasse» und führten die Tradition des Malerplakates weiter.

Binaca, Niklaus Stoecklin, 1941
Niklaus Stoecklin: Binaca, 1941. Bild: Artifiche AG.
Bülach, Peter Birkhäuser, 1934
Peter Birkhäuser: Bülach, 1934. Bild: Artifiche AG.
Eptinger, Herbert Leupin, 1941
Herbert Leupin: Eptinger, 1941. Bild: Artifiche AG
Nivea, Fritz Bühler, 1948
Fritz Bühler: Nivea, 1948. Bild: Artifiche AG.
Zwicky Nähseide, Donald Brun, 1946
Donald Brun: Zwicky Nähseide, 1946. Bild: Artifiche AG.
riri, Hans Aeschbach, 1948
Hans Aeschbach: riri, 1948. Bild: Artifiche AG.
Schaffhauser Wolle, Herbert Berthold, Libiszewski, 1948
Herbert Libiszewski: Schaffhauser Wolle, 1948. Bild: Artifiche AG.

Für die dreisprachige Schweiz, wo in den verschiedenen Landesteilen das Plakat in der jeweiligen Sprache ausgehängt werden musste, war das Sachplakat mit seinem Fokus auf die visuelle Botschaft besonders geeignet, da dasselbe Plakat ohne oder nur mit sehr geringfügigen Textänderungen überall aufgehängt werden konnte.

Unterstützt wurden die Grafiken durch eine reichhaltige Farbgebung und ein perfektes Druckverfahren mittels Lithografie, die während dieser Zeit in der Schweiz noch besonders lange neben dem neueren Offsetdruck bestandhielt.

Ab 1960 wurde der Offsetdruck zum dominierenden Druckverfahren. In den 1950er Jahren druckte die Druckerei Hug in Zürich das erste Offsetplakat im Weltformat.

Davos Parsenn, Perre Monnerat, 1947
Pierre, Monnerat: Davos Parsenn, 1947. Bild: Artifiche AG.
Grisons Engadine, Alois Carigiet, 1937
Alois Carigiet: Grisons Engadine, 1937. Bild: Artifiche AG.
Seiden Grieder, Hans Erni, 1946
Hans Erni: Seiden Grieder, 1946.
téléphonez d'ici, Hans Falk, 1951
Hans Falk: téléphonez d’ici, 1951.

Plakate für typisch schweizerische Produkte wie Schokolade oder Käse und für Schweizer Tourismusorte prägten im In- und Ausland das Image des Landes. Die Schweizer Berge und Seen wurden seit der Zwischenkriegszeit nicht nur im Sommer, sondern zunehmend auch im Winter bereist und der Wintersport fand immer mehr Anhänger.

Nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte der Tourismus vom grossen Wirtschaftsboom, was sich auch in der Plakatproduktion niederschlug. Heute bei Sammlern besonders geschätzt sind die flächenhaft-plakativen, detailreich und trotzdem eleganten Plakate von Martin Peikert für die Tourismuswerbung.

Einige Schweizer Grafiker arbeiteten in Italien und wurden dort höchst erfolgreich, so zum Beispiel Lora Lamm, die in den 1950er Jahren vor allem durch ihre Arbeiten für Pirelli und das Warenhaus La Rinascente berühmt wurde.

Als Gruss aus der Schweiz die rassige Lindt, Albert Buetschi, 1930
Albert Bütschi: Als Gruss aus der Schweiz die rassige Lindt, 1930. Bild: Artifiche AG.
Switzerland ... der echte Schweizerkäse, Herbert Leupin, 1950
Herbert Leupin: Switzerland … der echte Schweizerkäse, 1950. Bild: Artifiche AG.
Lenzerheide Valbella, Martin Peikert, 1958
Martin Peikert: Lenzerheide Valbella, 1958. Bild: Artifiche AG.
La Rinascente - I grandi mercati estivi, Lora Lamm, 1960
Lora Lamm: La Rinascente – i grandi mercati estivi, 1960. Bild: Artifiche AG.